„Auf unsere Modelle müssen Klienten sich verlassen können“

Manche Berater überrascht McKinsey schon vor dem ersten Arbeitstag. So erging es der Wirtschaftswissenschaftlerin und Statistikerin Myriam Thömmes: Sie bewarb sich für ein Event des Business Technology Office (BTO). Zurück kam aber eine Einladung des Bereich Analytics. Sie fuhr zum Interviewtag – und hatte schon abends ein Jobangebot in der Tasche.

„Ich wusste zwar, dass sich das BTO-Event an Naturwissenschaftler richtete. Doch ich dachte, als Statistikerin zähle ich vielleicht dazu? Das tat ich dann nicht, aber meine Bewerbung stieß dennoch auf Interesse – zu meinem Glück. So hatte ich schon Monate vor meinem Masterabschluss in Statistik einen hochinteressanten Berufseinstieg sicher. Letztlich passte der Bereich Analytics perfekt zu mir, da sich mein Doppelstudium genau an der Schnittstelle von Wirtschaft und quantitativen Methoden bewegt.

Experten für Daten und Methoden

Analytiker sind im Grunde die quantitativen Methoden-Spezialisten bei McKinsey. Wir werden immer dann hinzugezogen, wenn Expertise in der Datenanalyse, der statistischen Prognose oder der mathematischen Optimierung gefragt ist. Oder kurz gesagt: eine Mischung aus Programmierung und PowerPoint. Bei meinem ersten Projekt ging es zum Beispiel darum, die Transportnetzwerke von Containerschiff-Reedereien weltweit vergleichend zu prüfen. Auf Basis der Fahrpläne haben wir für jeden Carrier über 70.000 Verbindungen weltweit evaluiert: Wie gut ist die geografische Abdeckung? Wie schnell kommt ein Container von A nach B? Wie oft muss man umladen? Dafür haben wir spezielle Routing-Algorithmen implementiert.

Ein fester Teil des Teams

Zu meinen Schwerpunkten zählen statistische Prognosemodelle. Im Bereich Predictive Maintenance berechnen wir beispielsweise, wann eine Maschine voraussichtlich gewartet werden muss. Meist sind wir voll eingebunden in ein Projektteam von Anfang bis Ende. So war ich beispielsweise für drei Monate in Australien an einem Mining-Projekt beteiligt, außerdem arbeite ich viel für Chemie-Unternehmen. Gerade komme ich aus London von einem Public-Sector-Projekt, bei dem es um Regionalentwicklung ging. Alles ist sehr international: In meinen ersten zwei Jahren hatte ich noch kein Projekt in deutscher Sprache.

Entwickeln und vermitteln

Im Bereich Analytics ist derzeit vieles in Bewegung, auch weil wir so stark wachsen. In meinen ersten Projekten war ich noch die einzige Frau in meinem Kernteam, aber jetzt ist das Verhältnis schon 50:50. Mich begeistert, wie viel ich hier lerne, auch methodisch, und wie viel ich selbst verändern kann. Mir macht es auch großen Spaß, unsere Ergebnisse Nicht-Analytikern nahezubringen. Das ist ganz entscheidend: denn das großartigste Modell funktioniert nur, wenn der Klient es auch annimmt und anwendet. Dafür muss man schon während des Entwicklungsprozesses eng zusammenarbeiten. Da ich meist die einzige Analytikerin in einem Projektteam bin, geht damit auch eine gewisse Verantwortung einher.

Klare Prozesse und Strukturen

Wenn sich das Angebot von McKinsey nicht so früh ergeben hätte, wäre ich vermutlich in ein Start-up gegangen. Heute bin ich froh, dass ich mich so entschieden habe. Der Einstieg in ein so gut strukturiertes Unternehmen mit weltweit klar definierten Prozessen und Entwicklungsoptionen – das ist für einen Berufseinsteiger schon ein großer Vorteil. Und ich habe auch privat eine Menge Neues kennengelernt: Als leidenschaftliche Boulderin fahre ich auch bei Projekten in anderen Städten abends gern noch in die Kletterhalle – am liebsten gemeinsam mit Kollegen.“